AsF diskutiert über Gleichstellung, Lohndifferenz und Karriereknicke

16.05.2011 von Eberhard Rienth

Ebersberg „Die Erfahrung, dass es Frauen im Beruf viel schwerer haben, tritt erst dann so richtig ein, wenn Kinder dazu kommen.“ Folgen dieses Karriereknicks und die Lohndifferenz, aber auch die Frage, was dagegen unternommen werden könnte, hat die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) beschäftigt.

Im Ebersberger Restaurant „Seerose“ waren SPD-Frauen am Montagabend zusammengekommen, weil es der offizielle „Europatag“ war. Das Thema lautete deshalb auch „Frauen in Europa“, bei dem anfangs ganz besonders der Frage nachgespürt wurde, ob dabei Deutschland das Schlusslicht sei.

Dass dem so ist, belegte die Landesvorsitzende der SPD-Frauen und Betreuungsabgeordnete Adelheid Rupp mit Statistik: „Wir stehen bei der unterschiedlichen Bezahlung von Männern und Frauen zusammen mit Zypern, Estland und der Türkei am unteren Ende der Liste.“

Die Grafinger Landtagsabgeordnete machte dafür nicht nur den Umstand verantwortlich, dass „nach der Berufsausbildung die Welt nicht mehr gleich“ sei, sondern auch die oft unterschiedlichen Sparten, in denen Mann und Frau tätig seien. „Bei den Ingenieursberufen und im naturwissenschaftlichen Bereich lernen Frauen schon während des Studiums, sich stärker durchzusetzen.“, sagte Rupp. Hinzu komme, dass die Lohndifferenz am Karrierebeginn noch geringer ausfalle, aber im Laufe des Lebens stark steige.

Wie vielschichtig das Problem sich darstelle, ist für Rupp neben dem Thema Kinderbetreuung auch dem Umstand geschuldet, „dass es natürlich auch Frauen gibt, die ganz bewusst eine längere Auszeit wollen“. Die AsF wolle hier, „dass auch die Männer zu Hause bleiben, also die Elternzeit wirklich geteilt wird“.

Was Frau gegen schlechtere Bezahlung tun kann, sieht die AsF-Landesvorsitzende den rechtlichen Weg nicht eben als probates Mittel. Zum Betriebsrat zu gehen oder gar vor das Arbeitsgericht zu ziehen, seien fast nur theoretische Möglichkeiten. „Es kann nicht sein, dass man das einer Frau aufbürdet.“ Oftmals ende dies in einem Vergleich mit Verlust des Arbeitsplatzes mit einer Abfindung als Trostpflaster.

„Wir brauchen dringend ein Gleichstellungsgesetz für die freie Wirtschaft“, forderte Rupp. Das sei aber nicht in Sicht. „Schwarz-Gelb wird noch lange von freiwilliger Selbstverpflichtung reden, sich aber keinen Millimeter bewegen“, schätzt die Landtagsabgeordnete die Situation ein.

Die stellvertretende Vorsitzende des SPD-Kreisverbands, Bettina Marquis aus Pliening, meinte denn auch, „national bekommen wir gar nichts“. Doch auch auf europäischer Ebene ist sie eher skeptisch. Auch dort dominierten Männer die entscheidenden Ämter und Funktionen. „Der gut gemeinte Equal-Pay-Day bleibt damit leider wohl ein Symbol.“ Was bleibe sei eigentlich nur, „immer wieder auf die Ungleichbehandlung hinzuweisen.

Der Weg, durch eigenes Engagement der Frauen in der Politik stärker Einfluss zu nehmen, war deshalb die nur konsequente Einsicht. Verordnete Quoten könnten dabei aber nicht mehr als nur hilfreich sein. Die Glonner SPD-Kreisrätin Sabine Brückmann riet, sich selbst an die Nase zu fassen: „Oft ist es das Problem, dass es zu wenige Frauen gibt, die kandidieren wollen, und zudem sind sie dann auch noch zu schüchtern.“ Eine Erkenntnis, die auch Rupp teilt: „Meistens sind die Frauen zu leise, um öffentlich wahrnehmbar in Vorlage zu gehen.“ Die AsF versuche deshalb, mit einem Qualifizierungsprogramm für politisch tätig werden wollende Frauen dagegen zu halten.

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