Mehrere Hundert Euro jeden Monat
23.03.2011 von Dr. Bettina Marquis

Wir brauchen mehr Frauen in der Führung der deutschen Wirtschaft!
Am Freitag, den 25. März wird in Deutschland zum dritten Mal der Equal Pay Day begangen, an dem an die in unserem Land besonders große Lücke beim Gehaltsunterschied zwischen Frauen und Männern erinnert wird. Bis zum 25. März müssen Frauen länger arbeiten, um auf dasselbe Geld für dieselbe Arbeit zu kommen wie ihre Kollegen zum vorangegangenen Jahresende.
Zum Equal Pay Day erklärt Bettina Marquis, stellvertretende SPD- Kreisvorsitzende und Mitglied des Landesvorstands der Arbeitsgemeinschaft der sozialdemokratischen Frauen (AsF): Mehrere Hundert Euro jeden Monat, das summiert sich! Frauen in Deutschland bekommen immer noch im Schnitt 23 Prozent weniger Geld als Männer in derselben Position. Und dieser Durchschnitt ist nur der Mittelwert. Das bedeutet, dass in vielen Branchen, vor allem in denen mit besserer Ausbildung, die Gehaltsschere noch weiter auseinandergeht. Das passiert überall, vieltausendfach, auch in unserem Landkreis. Beachtet wird das nur am Equal Pay Day.
Dem kommt man auch nicht durch das Wiederkäuen der alten Glaubenssätze, „Ja, die Frauen, die haben ja die Kinder!“, zur Rechtfertigung der eigenen Besitzstandswahrung bei, denn es handelt sich um Angaben für gleichwertige Arbeit. Auch die früher vielleicht einmal beabsichtigte Absicherung der Familienarbeit von Frauen durch die Ehe ist mit den neuen Gesetzen in keinster Weise mehr gewährleistet. Außerdem muss Deutschland den inzwischen zwei sehr gut ausgebildeten Frauengenerationen mehr anbieten können als es tut. Frauen haben eine gute Ausbildung und wollen sie auch in der Arbeit verwenden. Dasselbe arbeiten, aber viel schlechter bezahlt werden, das ist leider immer noch eine Grundkonstante für Arbeitnehmerinnen in Deutschland.
Nicht nur, dass das hunderte Euro jeden Monat ausmacht, die Frauen weniger in der Tasche haben, sondern die Negativtendenz setzt sich lebenslang fort. Auch die Renten sind dementsprechend niedriger. Altersarmut ist nach wie vor überwiegend weiblich.
Das Problem ist altbekannt. Die FDP macht sich jedoch in keinster Weise für die Frauen stark, und in CDU/CSU überlässt man(n) das lästige Thema dem weiblichen Dreigestirn von der Leyen, Schröder und Merkel. Aber von der Leyen wurde bei ihren Überlegungen sogleich zurückgepfiffen, Kristina Schröder und die Kanzlerin wollen es lieber noch ein weiteres Jahrzehnt mit einem Appell an die Freiwilligkeit der deutschen Wirtschaft bewenden lassen, obwohl diese zehn Jahre lang bereits gezeigt hat, dass es ihr Ernst ist damit, freiwillig nichts für die Gleichstellung von Frauen tun zu wollen.
Was ist zu tun? Alle wissen es, zu wenige wollen es wissen: Wir brauchen ein Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft. Desgleichen brauchen wir auch eine Quote für die Besetzung von Aufsichtsräten und Vorständen – denn nur wenn auch mehr Frauen in wirkliche Führungspositionen gelangen, wird sich die deutsche Wirtschaft insgesamt ohne Niveauverlust menschlicher und familienfreundlicher entwickeln können.